Die Sonne ging am Sonntag sanft über den Hügeln des Kraichgaus auf. Die Stimmung war friedlich, meine Vorfreude riesig. Endlich der erste (!) Wettkampf in diesem Jahr – nachdem Halbmarathon und Radrennen ja leider ausfallen mussten.
In die Vorfreude mischte sich, je näher ich dem Start kam, aber auch die typische Anspannung und latente Aufregung. Ein Ironman 70.3 über die sogenannte „halbe Distanz“ ringt mir immer noch einiges an Respekt ab. 1,9k Swim + 90k Bike + 21k Run. Das sind bislang immer über 5 Stunden Spaß, aber halt zum Ende hin auch Überwindung und Anstrengung gewesen. Das Rennen im Kraichgau bin ich nun allerdings zum ersten Mal mit einer ganz anderen Sichtweise angegangen. Es galt nicht einfach nur durchzukommen.
„Was ich heute absolviere, ist nur die Vorspeise. Der erste Gang!“
Ich wollte das Rennen vom Pacing so absolvieren, dass ich Reserven für eine Hauptspeise gehabt hätte. Nämlich die gleiche Distanz noch einmal. Warum? Weil ich mich in ziemlich genau 12 Monaten an meinen ersten Ironman wagen werden. Und das Ganze für einen guten Zweck. Running for … BigShoe. Also hieß es vom Start weg immer eine leichte Kraftreserve einzuteilen.
Das Schwimmen, meine bisherige Angstdisziplin, ging vor dem Hintergrund ganz ordentlich über die Bühne. Nach dem krachenden Startschuss fand ich relativ schnell eine gute Position im Feld und konnte recht entspannt um die ersten zwei Bojen rum.
Danach habe ich leider etwas die Orientierung verloren und schon mal ein paar Extrameter für die Langdistanz trainiert… Am Ende standen statt 1900m immerhin 2100m auf meiner GPS-Anzeige. Egal, die Zeit stimmte, die Arme waren recht locker und 2016 ist ja noch etwas hin. Also raus aus dem Wasser und ab in die Wechselzone!
00h 37m 00s
Der Wechsel war etwas durchwachsen, da ich zuerst nicht aus dem Neopren rauskam und dann meine Startnummer halb zerrissen hatte. Was tun? Auf dem Radel habe ich sie mir einfach schnell hinten unter mein Trikot gestopft (hatte den Vorteil, dass sie nicht so im Wind flatterte!!!). Das komplizierte auf dem Rad war dann aber mal wieder die Tempoeinteilung.
Das Herz sagte Vollgas – der Kopf piano. Schließlich wollte ich mit einem möglichst regelmäßigen Krafteinsatz einen 30er Schnitt fahren: Meine Wunschgeschwindigkeit für die doppelte Distanz. In den 1000 Hügeln des Kraichgau ist das allerdings nicht ganz so leicht mit der Krafteinteilung. Letztes Jahr hatte ich überzogen und bin prompt mit Krämpfen auf die Laufstrecke gegangen. Das sollte und ist mir dieses Mal nicht passiert. Also habe ich immer wieder mal das Tempo gedrosselt. Am Anfang war das gar nicht so einfach – nach hinten raus dafür umso mehr 🙂 Ich bin so jedenfalls relativ frisch in die zweite Wechselzone in Bad Schönborn eingerollt.
02h 57m 03s
Beim abschließende Halbmarathon kam mir mein vorsichtiger Ansatz dann entgegen. Sonne, 30 Grad, kein Wind. So musste ich mit meinem Teufelchen im Kopf gar nicht erst lange diskutieren, ob oder wie lange ich mich quälen soll. Außerdem musste ich am folgenden Dienstag für einen Termin mal schnell nach Paris. Da helfen dicke Beine ja auch nicht wirklich weiter. Ich versuchte, sofern es bei diesen Bedingungen möglich ist, also in meinem Komfortbereich zu bleiben. Und das ging doch ganz ordentlich. Die gleiche Leistung bei doppelter Strecke in 12 Monaten würde ich sofort nehmen 🙂
1h 50m 15s
Insgesamt hatte ich damit für einen halben Ironman mit insgesamt 1000 Höhenmeter also 5h 30m 18s gebraucht (inklusive Wechselzeiten).
Der Frankfurter Ironman über die doppelte Distanz soll auch nicht mehr Höhenmeter auf dem Rad haben. Das würde bedeuten, dass eine Zielzeit unter 12 Stunden realistisch ist. Und das strebe ich genau an. Jetzt heisst es nur noch dranbleiben. Mit dem Training und dem Spendensammeln. Denn schließe mache ich es auch noch für einen guten Zweck:
Running for … an ambulance.
Running for … BigShoe.