Berlin #Marathon: Ein Lauf für die Lernkurve (Rennbericht) … #together42

Um Punkt 9 Uhr steigen unzählige gelbe Luftballons in den Himmel. Begleitet vom Händeklatschen zig-tausender Läufer, von Jubelschreien und lauter Popmusik. Meine Berlin-Premiere startet vor einer beeindrucken Kulisse und mit entsprechender Gänsehaut pünktlich unter blauen Himmel bei perfekten Temperaturen. Langsam setzt sich der Startblock in Bewegung, Blick auf die Siegessäule.

Meinen fünften Marathon bin ich mit gemischten Gefühlen angegangen: Eine riesige Vorfreude auf meine Geburtsstadt, das Brandenburger Tor, auf die bekannten Gesichter an der Strecke. Aber auch mit dem stillen Wunsch auf der schnellste Marathonstrecke der Welt zumindest meine bisherige Bestzeit einzustellen. Gegen diesen letzten Gedanken rebellierte allerdings mein Unterbewusstsein. Denn im Vergleich zum Vorjahr fehlten einfach zahlreiche Trainingseinheiten. Was wird passieren?

Ich bin positiv überrascht. Vom Start weg ist ausreichend Platz, um in Schwung zu kommen. Ich dachte, dass würde alles etwas enger werden. Auf den ersten 5 Kilometer finde ich so also recht entspannt meinen Rhythmus. Laufe natürlich wie immer (und alle?) zu schnell an, aber zusammen mit meiner Garmin drücke ich das Tempo an die 4:30 nach unten.

Was bei mir so im Kopf über die 42km dann ablief, deckte sich doch sehr mit meinem Film, den ich mir in den Wochen zuvor im Kopf zurecht gelegt hatte (42 Gedanken zum Berlin-Marathon). Allerdings sollten ein paar neue Erfahrungen dazu kommen.

Die Freude über den ausreichenden Platz hält nicht lange an. Ab KM7 wird es in den KurvenSCC_BM_Teilnehmerinfo_WEB_DE_1_14 enger. Das führt zu einem stetigen Abbremsen und Beschleunigen – bis ich dazu übergehe grundsätzlich den längeren Weg in Anspruch zu nehmen und das Tempo etwas konstanter halte. Meine Garmin zeigt weiterhin Zeiten von knapp unter 4:30 – fühlt sich gut an. Dann erblicke ich die Ballons der sogenannten Bremsläufer am Horizont. Müssen bei meinem Tempo ja die 3:00-Jungs sein?!? Die behalte ich mal im Blick. Man weiß ja nie was so geht?!?!

Die Anzahl der Zuschauer an der Strecke ist fast schon beängstigend, wobei man in der Masse der Läufer davon nur Bruchteile mitbekommt. Schön, wenn der Sport so viele Menschen mobilisiert. Wenn jeder von denen nur 1 EUR für mein Projekt Running for … BigShoe spenden würde, wäre das Ziel erreicht. Vielleicht sollte ich das nächste Mal mit einer Spendendose den Streckenrand abklappern oder Zettel mit dem Spendenkonto verteilen?

3:15. Da steht doch tatsächlich 3:15 auf den blöden Ballons. Die sind doch viel zu schnell unterwegs. Oder doch nicht? Egal, an die muss ich vorbei – was leichter gedacht als getan ist. Ich kämpfe mich also durch das Grupetto derer, die sich heute früh 3:15 aufs Brot geschmiert hatten mit der festen Absicht sie nie wieder zu sehen. Ab dem Strausberger Platz schalte ich dann auch den Autopilot, also meine Garmin, auf 4:25. Mein nächstes Ziel ist KM25.

Ab dem Friedrich-Wilhelm-Platz beginnt für mich die Suche nach bekannten Gesichtern. Bis zum Wilden Eber will ich meine 4 ganz persönlichen Stimmungsnester nicht verpassen. IMG_6873Insbesondere meine Kinder und Eltern geben mir einen unglaublichen Push. Das ist Adrenalin pur – und damit ein leichtes Over-Pacing 🙂 Mit Freunden und Familie geht es so weiter bis zur Party am Wilden Eber. Brauche ich unbedingt auch im nächsten Jahr bei meiner Ironman-Premier in Frankfurt…

Wenn alles gut ginge, sah mein Plan nach dem Wilden Eber vor, dass ich langsam die Sau raus lasse. 4:25 halten oder mehr. Die Stimmung am Kudamm sollte den inneren Schweinhund verstummen lassen.

Wo kommt denn bitte der 3:15er Ballon schon wieder her? Das geht doch gar nicht? Ok, es ist jetzt eher eine 4:30, die ich laufe. Aber trotzdem!!! Die sind ja verrückt. Und jetzt spüre ich auch noch so langsam meine Wadenmuskulatur. Bloß nicht überziehen und Krämpfe bekommen. Das große Ziel kommt 2016, bleib einfach an den Tempomachern dran.

FotoAb Kilometer 35 gewann mein Schweinhund die Oberhand. 4:55 Cruising Speed statt Vollgas… (ärgert mich mit etwas Abstand ja schon!)

Der Anblick des Brandenburger Tors ist überwältigend. Vor 26 Jahren stand ich davor, oben auf der Mauer, unten die Grenztruppen mit Waffe. Heute laufe ich einfach durch, unter den Anfeuerungsrufen tausender, mir unbekannter Menschen. Emotionen und Gedanken zucken wie Blitze durch mein Gehirn. Wahnsinn. Die Ziellinie.

03h 13m 44s

Mein Traumziel habe ich um knapp 4 Minuten verpasst. Schade eigentlich, da der Tag perfekt war. Mehr quälen oder mehr trainieren? Es ist müßig, denn beides ging nicht. Also müssen die tollen Eindrücke von der Strecke im Gedächnis verankert bleiben. Der Startschuss, die Siegessäule, Fernsehturm und Kudamm. All das in einer tollen Laufatmosphäre.

P.S.: Eine zweite, wichtige Lektion habe ich dann auch noch in Berlin gelernt. Neben „Vertraue nie den Ballons“: Laufe nie allein nach deiner Garmin! Denn die zeigte nach 42km doch glatt die angepeilte 3h 09m an! Leider war das am Gendarmenmarkt … und somit gut 1km zu früh! Aber hätte ich schneller laufen können mit diesem Wissen? Wahrscheinlich nicht.

 

5 Gedanken zu „Berlin #Marathon: Ein Lauf für die Lernkurve (Rennbericht) … #together42

  1. Albert Pantle

    Gratuliere – Dein Bericht läßt einen miterleben, was einen engagierten Läufer alles bewegt.Ich wünsch´ Dir doppelten Erfolg beim Sport und Deinem sozialen Engagement.
    Wie wär´s mal zum Ausruhen mit einem Urlaub in Senegal ?

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    Antwort
      1. Albert Pantle

        Ja, ich bearbeite gerade ein Paket aktueller Post, das Touristen mitgebracht haben. Am 16 -18.10.verladen wir 2 40 ft Container, die am 10.11. in Dakar ankommen sollen. Ich werde vom 9.11. bis Anfang Dezember dann in SN sein. Liebe Grüße.

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