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Spendenprojekt 3: Geschafft!

Das Triathlon-Bike ist schon seit einigen Wochen winterfest gemacht. Der Zieleinlauf auf dem Frankfurter Römerberg und damit das Finish meines zweiten Ironman-Rennens liegen eine gefühlte Ewigkeit zurück.

11 h 06 min 22 sec

Es wurde das erwartet harte Rennen: Wenig Zeit zum Training – 34 Grad auf der sonnigen Laufstrecke. Und doch glücklich und zufrieden angekommen50_m-100775252-DIGITAL_HIGHRES-1752_127997-9844983.

Was ist nun von dieser anstrengenden Reise übriggeblieben? Außer den schönen Erinnerungen an lange Trainingseinheiten, emotionale Tiefpunkte auf der Laufstrecke zwischen Kilometer 30 und 38 und tollen Glücksmomenten kurz vor der Ziellinie?

Es ist vor allem die Zufriedenheit und Dankbarkeit hinsichtlich des Spendenprojekts „Welthungerhilfe“. Zusammen mit Eintracht Frankfurt Triathlon e.V. haben wir es tatsächlich geschafft, jeden einzelnen Kilometer des Ironman-Rennens an eine 5 Euro-Spende zu verknüpfen.

1.150 EUR sind so an Schulkinder in Burundi geflossen, damit sie in der Schule eine regelmäßige Mahlzeit bekommen. Warum ist das so wichtig? Weil es die Voraussetzung dafür ist, dass viele dieser Kinder überhaupt in die Schule geschickt werden. Und Schule ist nun einmal die Basis für eine bessere Zukunft.

An dieser Stelle möchte ich daher nochmals allen Spendern für die tolle Unterstützung danken, auch im Namen von Eintracht Frankfurt und der Welthungerhilfe. Und wer weiss, ob bzw. wie ich es ohne Eure Hilfe ins Ziel geschafft hätte?

Carsten_Dankeschreiben

RENNBERICHT: #IMKraichgau70.3 – oder zurück auf dem Boden der Tatsachen

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Das Triathlon-Rennen im Kraichgau über die halbe Ironman-Distanz sollte eigentlich eine Mischung aus längerem Training und Standortbestimmung werden. Wie ist die Form für meinen 2. Ironman Anfang Juli in Frankfurt?

Vor knapp 12 Monaten hatte ich mich leichtsinniger Weise für eine Wiederholung meiner gelungenen Premiere entschieden. Es gibt doch nicht schöneres als ein laaanger Sporttag. Oder vielleicht ja doch?

Am vergangenen Sonntag lief es im Kraichgau nämlich etwas überraschend schleppend. Die Schwimmzeit über 1,9km (36min) war noch ok, aber auf dem Rad musste ich irgendwann am Kilometer 70 zurückschalten – und so schaffte ich mit Müh und Not die 90km in 3h. Etwas enttäuschend, weil 10 Minuten langsamer als meine Bestzeit auf dieser Strecke. Auf dem Rad hatten sich auch schon bereits einigen Magenprobleme angekündigt und so wurden auch die 21km zu Fuss eine zähe Angelegenheit. 2 Stunden sind über diese Distanz für mich eigentlich indiskutabel. Ein Lichtblick waren eigentlich nur die letzten 3 Kilometer, die ich dann doch ohne Probleme deutlich schneller laufen konnte.

Was ist los? Es war eine schmerzhafte Landung auf den Boden der Tatsachen. Die Form ist nicht da, wo ich sie gerne haben möchte. Natürlich hat die extreme Hitze eine Rolle gespielt (bis zu 35 Grad), aber als Entschuldigung ist mir das zu leicht. Jetzt steigt doch die Nervosität für den 9. Juli. Wie schaffe ich es über die doppelte Distanz auf den Frankfurter Römerberg ins Ziel?

Zum Glück habe ich da noch einen Geheimtrick für die Motivation. Ich versuche ja zusammen mit Eintracht Frankfurt e.V. Triathlon und der Welthungerhilfe e.V. für jeden Kilometer 5 Euro an Spenden einzusammeln. Und siehe da – einige wichtige Teilstrecken sind bereits mit Spenden unterlegt. Das Schwimmen, der ersten Rad-Kilometer, die mental schwierigen Radkilometer 161-165, der Marathon-Hammer zwischen km31 und 35 und schließlich die Zielgerade am Mainufer Richtung Römer. An diese Spenden werde ich denken können, wenn es hart wird. Ich werde mich für die Kids in Burundi durchbeißen, damit sie selbst in der Schule etwas zu essen bekommen.

Ihr wollte mich dabei unterstützen? Super – hier geht es zur Reservierung der Spenden-Kilometer.

Mein Energielieferant „fait maison“… #GelOhneBauchschmerzen #Ironmantri

In den vergangenen Jahren hatte ich zunehmend mit Bauchschmerzen während meiner Triathlon-Rennen zu tun gehabt. Nicht wirklich spassig, wenn man sich an der eigenen Leistungsgrenze über Stunden hinweg bewegt.

Für mein Ironman-Debüt in Frankfurt brauchte ich also unbedingt eine Lösung. Schließlich sollte der Spass ja nicht zugkurz kommen…

Die Lösung fand ich für mich in einer Ernährungsumstellung, die ich schon Monate zuvor vorgenommen hatte: Keine Milchprodukte und wenig Gluten.

Entsprechend habe ich mir dann mal die diverse Fertigfutter angeschaut. Und die Inhaltsstoffe sind wenig überzeugend. Kann es sein, dass mein Magen-Darm-Trakt (insbesondere unter Belastung) mit so viel Unnatürlichen nicht zurecht kommt?

Ich habe es mal darauf ankommen lassen und meine eigene Rezeptur für ein Energie-Gel – in Anlehnung an NO MEAT ATHLETE – gefunden. Der Eigenversuch beim 70.3 im Kraichgau war jedenfalls ein voller Erfolg. Mein erster Wettkampf ohne Problem!!!

Und so geht es:

Zutaten

  • 6 frische Datteln
  • 2 Esslöffel Chiasamen
  • 1 Zitrone
  • 2 EL Zuckerrübensirup
  • Meersalz
  • Wasser
  • Optional und nach Saison: Erdbeeren, Heidelbeeren o.ä.

Zubereitung

  1. Chia mahlen und mit ca. 5 EL Wasser aufquellen lassen
  2. Die entsteinten Datteln in einem Mixer pürieren.
  3. 2 EL Zitronensaft, 2 EL Zuckrübensirup und einen halben EL Meersalz dazugeben und weiter mixen
  4. Den aufgequollenen Chia dazu geben und immer schön mixen
  5. Optional kommen in den Mixprozess 4-5 reife Erdbeeren rein
  6. Das Gel wird dann zum Schluss mit Wasser so gestreckt, bis die Konsistenz passt – vor allem muss es aus der Flasche gut rauskommen 🙂

Die 6 Dattel-Variante reicht mir eigentlich für die 90k Radrunde eines 70.3 Rennens. Weniger ist mehr! Aber das muss man einfach mal ausprobieren. Gilt auch für die Zutaten. Lieber mit etwas weniger Salz anfangen und am Ende abschmecken. Für mich gibt es jedenfalls nichts anderes mehr.

Mein IRONMAN für BigShoe. DANK an alle Spender!

Ich möchte mich an dieser Stelle schon einmal bei Euch für die vielen Spenden bedanken. Ihr habt es ermöglicht, dass die Ärzte von BigShoe zahlreichen Kindern in Afrika medizinisch helfen konnten.

Bitte nehmt Euch die Zeit und schaut, was wir bewegt haben –  zusammen mit Mesut Özil und Paul Pogba.

Ganz nach dem Motto:

„Wenn der BigShoe statt Tore zu schießen auf die IRONMAN-Distanz geht…“

Die Ziellinie des Ironman Triathlons auf dem Frankfurter Römerberg soll übrigens noch nicht das Ende gewesen sein. Ich freue mich über jede weitere Spende für BigShoe.

Das Spendenkonto lautet:

Kontoinhaber / Account holder: BigShoe e.V. 

IBAN: DE 94 650 920 10 00 42 901 006

Bank: Volksbank Allgäu West eG

BIC: GENODES1WAN

Verwendungszweck lautet: Running for BigShoe.

Bitte unterstützt BigShoe. Vielleicht bekommen wir so ja auch Paul und Mesut zum Startschuss an den Langener Waldsee 2017 ?!?!?

Please join BigShoe11.

Von NULL auf IRONMAN – wieviel Zeit habe ich investiert? #Ironmantri #Training

YOU ARE AN IRONMAN. Für sehr viele sportbegeisterte (oder muss ich besser sagen -verrückte?) Menschen löst dieser Satz eine Mischung aus Faszination, Unglaube und Begierde aus. Wie zum Teufel schafft man so etwas? Will auch!

Und im Juli 2016 war es dann für mich auch soweit – aber welcher Aufwand stand dahinter?

Mir erging es nicht viel anders, als ich in der Sportschau die ersten Berichte über den Ironman auf Hawaii sah. Wahnsinn. Unmenschlich. Punkt. Keine Sekunde hatte ich allerdings daran verschwendet, einmal selbst über solch eine Distanz an den Start zu gehen. Wie auch? Doch dann kam der Juli 2009 und ich erlebte den Zieleinlauf des IRONMAN Rennens auf dem Frankfurter Römerberg live mit. Was für eine Stimmung. Was für erschöpfte, aber glückliche Finisher. Will auch!

Zugegeben – der Wunsch war jetzt da, aber eigentlich auch die Erkenntnis, dass ich dafür nicht fit genug war.  Also hatte ich das Thema Triathlon so lange verdrängt, bis mich meine liebe Frau zu einem Einsteiger-Trainingscamp am Tegernsee angemeldet hat. Was für ein Geburtstagsgeschenk, keine 2 Wochen später! 🙂 Und so machte ich mich im September 2009 mit einem nagelneuen Rennrad im Kofferraum und der Gewissheit dass ich nicht einmal 25m Kraulen konnte auf die A3 Richtung Bayern…

6 Jahre lang habe ich mich und vor allem meinen Körper auf die Belastung eines IRONMAN-Rennens vorbereitet. Ich habe Kraulen gelernt, bin bei meiner ersten und einzigen olympischen Distanz an den Start gegangen (mit einem zusammengeschraubten Schlüsselbein nach einem Radsturz…), bin meinen ersten Halbmarathon in 1h37 gelaufen, habe danach die erste Mitteldistanz im Kraichgau gefinisht und den erste Marathon in Frankfurt in 3h28 absolviert. In den 6 Jahren kamen so insgesamt 11 Mitteldistanzen, 6 Halbmarathons (PBZ 1h27), 5 Marathons (PBZ 3h09) und 3 Jedermann-Radrennen zusammen. Bis vor einem Jahr hatte ich mir aber einen ganzen Ironman nicht zugetraut.

Das aus dem Traum auch Wirklichkeit werden könnte, hatte ich dann 2015 gemerkt. Der Gedanke an eine 6-stündige Radfahrt vor einem Marathonlauf machte mir keine Angst mehr. Und so klickte ich mich 12 Monate vor dem geplanten Start mit zittrigen Händen durch das Anmeldefenster.

Mein Trainingsbeginn für den Frankfurter Ironman 2016 war der 1.11.2015. Einen Monat nach der Teilnahme am Berlin-Marathon. Mein Plan war, die Umfänge Monat für Monat zu steigern, möglichst 2 oder 3 intensive Trainingswochen mit einer ruhigen zu verbinden. Idealerweise wollte ich immer Blöcke der gleichen Disziplin umsetzen, d.h. 2 oder 3 sich zeitlich folgende Schwimm-, Lauf- oder Rad-Einheiten. Dazu einmal die Woche etwas Krafttraining. Das klappte ohne Verletzung und Erkrankung, einer 50h-Wochen mit zahlreichen Geschäftsreisen und einer korrekten Präsenz bei meinen Lieben eigentlich ganz gut.

Meine Trainingsumfänge sahen pro Monat wie folgt aus… (TE = Trainingseinheit)

  • November 2015: 18 TE/ 16,7h = SWIM (4,8h/ 12km), RUN (5,9h/ 67km), BIKE (5,1h/ 132km), KRAFT (1h)
  • Dezember 2015:  21 TE/ 21,2h = SWIM (1,6h/ 5,1km), RUN (8,3h/ 88km), BIKE (10,3h/ 266km), KRAFT (1h)
  • Januar 2016:  24 TE/ 24,1h = SWIM (3,5h/ 9,3km), RUN (9,9h/ 112km), BIKE (9,1h/ 279km), KRAFT (1,7h)
  • Februar 2016:  26 TE/ 34,7h = SWIM (6,9h/ 19,4km), RUN (11,5h/ 135km), BIKE (14,2h/ 371km), KRAFT (2,2h)
  • März 2016: 24 TE/ 20,9h = SWIM (2,7h/ 7,8km), RUN (10,1h/ 117km), BIKE (6,2h/ 172km), KRAFT (1,9h)
  • April 2016: 22 TE/ 15,9h = SWIM (-), RUN (11,3h/ 132km), BIKE (3,9h/ 110km), KRAFT (0,8h)
  • Mai 2016: 30 TE/ 43,6h = SWIM (6,7h/ 17,7km), RUN (11,3h/ 132km), BIKE (24,1h/ 660km), KRAFT (1,5h)
  • Juni 2016: 24 TE/ 24,6h = SWIM (6h/ 16km), RUN (6,7h/ 77km), BIKE (11,3h/ 294km), KRAFT (0,7h)

Damit lag mein durchschnittliches Trainingspensum im Zeitraum November – Juni bei „nur“

  • 5,5 TE/ Woche und
  • knapp 6 Trainingsstunden/ Woche

Insgesamt hatte ich so 200 Stunden trainiert, inklusive der Mitteldistanz im Krachgau (Juni). Kurze Einheiten schnell und knackig, lange Einheiten ruhig.

Was kam noch dazu? Im März und April stand ich knapp 2 Wochen auf Alpinski. Belastung für die Oberschenkelmuskulatur war zwar da, aber es war kein spezifisches Training (die abendlichen Nach-Ski-Laufrunden sind oben allerdings berücksichtigt!). Ich kam geschäftlich ordentlich um die Welt (insgesamt knapp 30 Flüge) – was meine Trainingsziele leider durcheinander brachte. Wichtig war hier, dass ich mich daran angepasst hatte. Nicht übernehmen, Regeneration beachten und notfalls mehr Laufkilometer im Hyde Park sammeln als am Mainufer. Die wenigen Einheiten wurden da noch intensiver.

Heisst das nun, die einschlägigen Trainingspläne von 9-13h die Wochen sollte man ignorieren? Nicht unbedingt. Denn jeder bringt andere Vorraussetzungen mit. Wichtig erscheint mir nur die langjährige Vorbereitung auf eine Belastung, die ein IRONMAN-Rennen nunmal darstellt. Wer hier zu früh an den Start geht, mag mit seiner Gesundheit spielen (nicht zu vergessen, dass ein richtiger Check-Up bei einem kompetente Sportarzt dringen zu empfehlen ist!).

Und noch ein letzter Tipp zur Motivation. Wenn Ihr solch einen langen Plan mit einer Spendenaktion verbinden könnt, dann ist das sicherlich hilfreich. Meine beiden Aktionen für Bilbassi und BigShoe haben mir zusätzliche Energie gegeben. So gab es keine Entschuldigung sich hängen zu lassen 🙂

In dem Sinn wünsche ich allen Nachahmern viel Erfolg und bedanken mich bei alle denen, die meine Initiative RUNNING FOR … AN AMBULANCE finanziell unterstützt haben! Danke. Ihr habt damit indirekt auch meinen Traum unterstützt…

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RENNBERICHT: Von meinem ersten IRONMAN – oder: Und es ist doch der Kopf…!

„Man muss schon ziemlich dämlich sein, wenn man sich für einen IRONMAN anmeldet!“ – dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf, als mein Wecker um 4 Uhr morgens klingelte. Ich hatte eigentlich ganz gut geschlafen, vom nächtlichen Hupkonzert der Deutschlandfans einmal abgesehen. Wie ich bei meinem arg frühen Frühstück feststellen musste, hatte ich wohl einen historischen Fußballmoment schlicht verschlafen. EGAL! Denn heute sollte ich selbst bei einer Europameisterschaft an den Start gehen. Ein bescheidend historischer Moment meiner Hobbysportlerkarriere. In Frankfurt. Zum ersten Mal über die ganz lange Distanz eines IRONMAN-Triathlons.

Über 5 Jahre hatte ich auf diesen Moment hintrainiert. 1 Olympische Triathlon-Distanz, 3 Jedermann-Radrennen, 4 Halbmarathons, 5 Marathons und 11 Triathlons über die Mitteldistanz standen an diesem Morgen auf meiner Habenseite. Entsprechend entspannt war ich die letzten Tage vor dem Rennen gewesen. Das sollte doch zu schaffen sein! Wenn nicht jetzt, wann dann?

Und an diesem Morgen? Von Anspannung und Stress keine Spur. Stattdessen eine positive Vorfreude, die man mit Weihnachten vergleichen kann. Was werde ich an dem Tag wohl alles geschenkt bekommen? Wie ein Dieb schlich ich im Morgengrauen nach einem guten Frühstück (Porridge, Brot mit Honig) leise aus dem Haus, um meinen Fanclub nicht zu wecken – schließlich musste der spätestens an der Laufstrecke ordentlich für Rückenwind sorgen. Dabei hätte ich allerdings fast meinen Versorgungsbeutel mit den Getränken und dem selbstgemachten Gel vergessen. Vielleicht doch etwas aufgeregt? War wohl eher die Müdigkeit 😉

Ein überfüllter Shuttlebus brachte mich an den Langener Waldsee. So langsam wich die Müdigkeit aus meinen Knochen. Ich ging im Kopf die unmittelbare Wettkampfvorbereitung IMG_7418durch. In der Wechselzone 1 angekommen machte ich dann zuerst einmal mein Rad fertig. Luft in die Reifen, Getränke und Gelflasche in die Halter, Helm und Startnummer an den Lenker. Danach wurde der Wechselbeutel kontrolliert. Als alles für das Rennen bereit war, habe ich dann zum ersten Mal das Umfeld genauer beobachtet. Die Anspannung der Athleten lag zum Greifen in der Luft. Einige sahen doch arg aufgeregt aus, die meisten jedoch ähnlich fokussiert wie ich mich zumindest fühlte. Der Morgen war kühl und so schlüpfte ich recht früh in den 126_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_000118-2125220warmen Neoprenanzug, gab meinen letzten Wechselbeutel am LKW ab und ging Richtung Schwimmstart.

Wie erwartet waren viele Zuschauer an den See gekommen. Und das um diese Uhrzeit! Wahnsinn. Beim Blick über den See kam mir dann die Schwimmstrecke recht lang vor. Aber den Gedanken schob ich mal ganz schnell beiseite und suchte mir die richtige Startbox für den Rolling-Start. 1h10 – 1h20. Das sollte doch auf 3,8km drin sein!?! Die Zeit bis zum Startschuss konnte ich bestens überbrücken, da eine Box weiter Wolf stand. Auch ein Erststarter, der mich irgendwann auf der Rad- oder Laufstrecke überholen müsste. Gemeinsam hörten wir den Kanonendonner und sahen wie sich die Profis in den See rannten.

Jetzt gab es kein zurück mehr. Meine Startschranke ging auf und ich machte mich auf die Reise. Im Gegensatz zu einem Massenstart à la Kraichgau ging das Anschwimmen relativ 138_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_008361-2125232zivilisiert ab. Durch das entzerrte Starterfeld gab es kaum ungewollten Körperkontakt. Keine Heißdüsen, die einen von hinten kommend einfach mal überschwimmen. Jeder schien seinen Rhythmus zu suchen – und so tat ich es auch. Ins Gleiten kommen. Technisch saubere Züge einstellen. Eine möglichst direkte Linie zur Boje am Seeende anschlagen. So ging es zur ersten Wende (auch hier ohne großes Gedränge) und gleich wieder zurück. Die ersten 1.500m bis zum kurzen Landgang waren abgehakt und ich fühlte mich gut. Die zweite Runde zog sich logischerweise etwas mehr hin, aber auch hier lief alles nach Plan. Ich konnte sogar etwas mehr in die Zugphasen investieren und entsprechend langsam werdende Schwimmer überholen. Immer den großen gelben Bogen am Schwimmausstieg vor Augen – der plötzlich auch schon da war. Das Wasser wurde flach. Ich hatte Sand unter den Füssen. Der erste Teil des Abenteuers war geschafft!

3,8km SWIM in 01h 13min 29sec

Was habe ich mich gefreut, als ich aus dem Wasser kam. Vor 5 Jahren noch eine absolut utopische Distanz und heute lief es einfach super. Mit einem breiten Grinsen machte ich mich 158_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_044513-2125252auf den langen Weg zum Wechselbeutel. Unterwegs ein paar Vereinskollegen gegrüßt und Ina abgeschlagen (was machst du hier?), dabei aber auch über den „Berg“ hoch zur Wechselzone geflucht. Das Wechselzelt war ziemlich überfüllt und doch fand ich einen freien Platz für einen zügigen Wechsel. Raus aus dem Neo, Socken und Radschuhe an, Riegel in die Rückentasche und ab zum Bike. Die kühlen Temperaturen habe ich da gar nicht gemerkt. Adrenalin wärmt… Und so war ich zwar nicht super schnell aber kontrolliert zügig im Sattel. Auf geht’s nach Frankfurt.

„Nicht zu schnell beginnen und nicht überziehen. Regelmäßig einen Schluck trinken und
etwas Gel dazu. Jede Stunde einen Riegel essen.“
– Mit diesen Vorsätzen sollte der zweite Teil 162_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_063313-2125256des Tages doch zu meistern sein. Ich bin zuvor noch nie 180km auf dem Rad gefahren! Das war die große Unbekannte für mich. Bis KM120 sollte eigentlich nichts passieren, aber wie geht es dann weiter? Und tatsächlich kam ich sehr gut um die erste Radrunde herum. Vielleicht etwas zu schnell, aber das ist so ganz ohne Erfahrung über diese Distanz schwer zu sagen. Wo liegt die richtige Belastung? Und kaum war die Friedberger Burg in Sicht, da wurden dann auch meine Beine leerer und leerer. Jetzt kam also das erste Loch? Recht ungünstig für den Kopf war dieser Moment verbunden mit einem zunehmenden 179_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_102353-2125273Wind von vorne. Windböen, die für mich nicht immer mit einer Aeroposition vereinbar waren.

„Noch 40km bis zum nächsten Wechsel. Das wird hart. Und dann der Marathon — Marathon? Wie soll das denn gehen?“ Es lief gerade der garantiert falsche Film im Kopfkino an. Zumal der Himmel immer schwärzer wurde und es schließlich wie aus Kübeln schüttete. Kälte, Nässe und Wind. Hallo, geht’s noch? Ich musste ganz schnell das Kinoprogramm ändern. Erst einmal etwas essen, bis zur nächsten Abzweigung, zum nächsten Baum fahren, sich auf den Anstieg in Bad Vilbel freuen („da wird Dir wieder warm!“). Und es funktionierte! Plötzlich war der Anstieg in Bad Vilbel da, nur leider waren alles Zuschauer weg. Wem ist das aber schon zu verübeln bei dem Starkregen. Ich also unter Ausschluss der Öffentlichkeit den letzten Berg hoch – und wer erwartet mich oben? Mein ganz persönlicher Fanclub!!! „Papa, Papa!!! Schneller, auf geht’s!“ Wo kamen die den her. Wahnsinn. Das nennen ich mal Einstellung. Da 143_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_024208-2125237darf ich nicht schlapp machen. Zumal die Anfeuerungsarie ein paar Meter entfernt weiterging. Der Versorgungsstand der Eintracht stand mir bei – nicht zuletzt dank des nagelneuen Eintracht-Einteilers. Heimvorteil nenne ich so etwas. Mit ordentlich Adrenalin und Glückshormonen im Blut ging es dann frierend bergab Richtung Frankfurt zur 2. Wechselzone. 14 Grad sollte meine Garmin später anzeigen.

180km BIKE in 05h 53min 02sec

Erste Station: Dixie-Klo. War das etwa die Kälte? So einen schlechten Boxenstopp legt nicht mal das lahmste Formel 1-Team hin… Aber egal. Die große Unbekannte von 180km ist abgehakt. Jetzt wird nur noch gelaufen – und das möglichst sofort und schnell, denn mir ist richtig kalt! Der arme Kerl nebenan im Wechselzelt zittert so stark, dass er nicht einmal seinen Radschuhe ausziehen kann!!! Ob die Decke des Volunteers 149_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_038039-2125243hilft? Wie die Schwächen der anderen doch zur eigenen Stärke beitragen. Mir geht es gut! Zum Glück bekam er den Gedanken nicht mit und ich hoffe, er konnte das Rennen gut beenden. Ich konnte mich jedenfalls auf das Laufen freuen und nach „nur“ 8min 10 sek ging es ab durch die Zuschauermassen. Was für eine Superstimmung. Dreimal darf ich hierdurch, bevor ich dann auf den Römer abbiege werde.

Und so trugen mich meine eigene Begeisterung und die der Zuschauer ziemlich zügig um die ersten beiden Main-Laufrunden. Nach der ersten Runde konnte ich auch wieder auf meinen persönlichen Fanclub bauen, der mich lautstark anfeuerte. Es gab also klare Fixpunkte auf die ich mich freuen konnte. 01h 46m für den Halbmarathon. Sehr ordentlich. Wann kommt der Einbruch? Kommt er? Da ist er! Ab km22 wurde es plötzlich zäh. Es tat nichts weh, aber der Akku schien sich ziemlich schneller zu entladen. Was jetzt? Ans Buffet und mal in Ruhe ein paar Schlucke Iso trinken. Ein paar Salzstangen, etwas Gel. Bloß nicht zuuu viel auf einmal, denn Bauchschmerzen brauchte ich jetzt garantiert nicht. Und so lief ich von Verpflegung- zu Verpflegungsstelle. Der Versuch, bei meinem Fanclub kurz Rast zu machen, um ein paar Küsse und High5 zu verteilen scheiterte hingegen kläglich. „Nicht stehen bleiben,“ schrie Michi mir ins Ohr und schob mich an. „Schneller, schneller Papa,“ kam vom rennenden Nachwuchs aber auch meiner Frau. Hallo??? Schneller??? Geht’s noch???

Die Kilometer 25 bis 35 bin ich quasi mit dem Kopf gelaufen. Die Beine und der Rest von mir wollten eigentlich nicht mehr so richtig. Flasche leer. Doch dann kam die letzte Runde. Ab sofort erlaubte ich mir kleine Schlucke Cola an den Buffets, wurde wieder etwas schneller und überholte deutlich mehr Läufer als zuvor. Was geht es denen allen schlecht! Quasi als Einäugiger unter den Blinden kam das Vertrauen auf ein ordentliches Finish zurück. Und auch der Abstand zu Wolf, der mich zwischenzeitlich wie erwartet überholt hatte, wuchs nicht mehr so deutlich an. Noch ein verdammtes Armbändchen an der Gerbermühle und es geht in den Zielkanal.

Rechts abbiegen auf den Römer. Was habe ich von diesem Moment geträumt. An den Tagen,171_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_079609-2125265 wo mir das Training schwer fiel, hatte ich genau dieses Bild vor Augen. Dann ging alles sofort etwas leichter. Und jetzt 186_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_110274-2125280war der Moment gekommen. GENIESSE IHN! Er wird einmalig bleiben, er ist unbezahlbar, Du hast ihn Dir verdient. Es ist ein Gänsehautmoment. Wahnsinn!!! Die Menschen rechts und links klatschen, High5 hier, High5 da. Wo ist mein Fanclub??? Da ruft er!!! Ich bin vorbeigelaufen – schnell zurück. Die Endzeit ist egal, ich will mich einfach nur bei ihnen bedanken für all die Unterstützung der letzten Monate und mich gemeinsam mit ihnen freuen. Danach geht es unglaublich glücklich und zufrieden zur Finishline.

42,2km RUN in 03h 50min 36sec

 IRONMAN Frankfurt in 11h 11min 39sec

Dieser Traum ist gelebt!!! Geil. Mehr gibt es nicht zu sagen.

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P.S.: Die Strapazen meines längsten Sporttages habe ich sehr gut weggesteckt. Kein Muskelkater, nur etwas unelastische und kraftlose Muskeln, sonst alles paletti. Auf Drängen meines Fanclubs habe ich mich daher für Frankfurt 2017 angemeldet. Einmal ist bekanntlich keinmal 😉

#Regeneration mit Schweinehund und @mertesacker – Oder: Was Eier mit Zeitmanagement gemein haben #triathlon #training

Die Herausforderung für mich als berufstätigen und wohl leider nur mittelmäßig talentierten Triathleten liegt im Zeitmanagement. Hier wird mein Rennen gewonnen 🙂 Wenn ich mir die Trainingspläne der einschlägigen Fachpresse anschaue, dann wird immer ganz anders. Muss ich mir eine Stirnlampe kaufen und in der Nacht meine Einheiten einbauen? Im Winter schaffe ich pro Woche kaum 6 Stunden an Trainingsreizen (s. auch Januar-Rückblick). Und das auch nur wenn der Job keine langen Reisen vorsieht. Wird das für meine IronMan-Premiere in Frankfurt reichen???

Also was tun? Natürlich versuche ich den Stress aus dem Job in meine Trainingsplanung einzubauen. Dazu gab es auch ein interessantes Interview im Triathlon-Magazin. Allerdings ist es  gar nicht so leicht zwischen Faulheit und Müdigkeit zu unterscheiden 😉 Dennoch versuche ich immer Belastungsblöcke aus 3 Tagen zu planen und umzusetzen, die jeweils eine Disziplin im Fokus hat.

Und nach einem meist etwas härteren Wochenende (langer Lauf am Sonntag!), steht fast jeden Montag die Regeneration im Vordergrund:

Nach 45 Minuten Schwimmtraining geht es in die Sauna und abschließend in das Eisbecken für die müden Beine. Mein Schweinehund versucht mich zwar regelmäßig von dem Sprung in die Kälte abzuhalten, am Ende siegt aber die Vernunft. So muss sich sich das gekochte Ei beim Abschrecken fühlen! Erst der Schreck, dann die Erkenntnis dass die Muskeln an Vitalität gewinnen und Form annehmen. Regeneration pur!  Aber ob es gleich 3 Tage in der Eistonne sein muss, wie beim Mertesacker, dass weiss ich nicht. Da mach mein Schweinehund dann wohl doch nicht mit…