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Wie läuft es mit der Startnummer auf der Brust?

RENNBERICHT: #IMKraichgau70.3 – oder zurück auf dem Boden der Tatsachen

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Das Triathlon-Rennen im Kraichgau über die halbe Ironman-Distanz sollte eigentlich eine Mischung aus längerem Training und Standortbestimmung werden. Wie ist die Form für meinen 2. Ironman Anfang Juli in Frankfurt?

Vor knapp 12 Monaten hatte ich mich leichtsinniger Weise für eine Wiederholung meiner gelungenen Premiere entschieden. Es gibt doch nicht schöneres als ein laaanger Sporttag. Oder vielleicht ja doch?

Am vergangenen Sonntag lief es im Kraichgau nämlich etwas überraschend schleppend. Die Schwimmzeit über 1,9km (36min) war noch ok, aber auf dem Rad musste ich irgendwann am Kilometer 70 zurückschalten – und so schaffte ich mit Müh und Not die 90km in 3h. Etwas enttäuschend, weil 10 Minuten langsamer als meine Bestzeit auf dieser Strecke. Auf dem Rad hatten sich auch schon bereits einigen Magenprobleme angekündigt und so wurden auch die 21km zu Fuss eine zähe Angelegenheit. 2 Stunden sind über diese Distanz für mich eigentlich indiskutabel. Ein Lichtblick waren eigentlich nur die letzten 3 Kilometer, die ich dann doch ohne Probleme deutlich schneller laufen konnte.

Was ist los? Es war eine schmerzhafte Landung auf den Boden der Tatsachen. Die Form ist nicht da, wo ich sie gerne haben möchte. Natürlich hat die extreme Hitze eine Rolle gespielt (bis zu 35 Grad), aber als Entschuldigung ist mir das zu leicht. Jetzt steigt doch die Nervosität für den 9. Juli. Wie schaffe ich es über die doppelte Distanz auf den Frankfurter Römerberg ins Ziel?

Zum Glück habe ich da noch einen Geheimtrick für die Motivation. Ich versuche ja zusammen mit Eintracht Frankfurt e.V. Triathlon und der Welthungerhilfe e.V. für jeden Kilometer 5 Euro an Spenden einzusammeln. Und siehe da – einige wichtige Teilstrecken sind bereits mit Spenden unterlegt. Das Schwimmen, der ersten Rad-Kilometer, die mental schwierigen Radkilometer 161-165, der Marathon-Hammer zwischen km31 und 35 und schließlich die Zielgerade am Mainufer Richtung Römer. An diese Spenden werde ich denken können, wenn es hart wird. Ich werde mich für die Kids in Burundi durchbeißen, damit sie selbst in der Schule etwas zu essen bekommen.

Ihr wollte mich dabei unterstützen? Super – hier geht es zur Reservierung der Spenden-Kilometer.

RENNBERICHT: Von meinem ersten IRONMAN – oder: Und es ist doch der Kopf…!

„Man muss schon ziemlich dämlich sein, wenn man sich für einen IRONMAN anmeldet!“ – dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf, als mein Wecker um 4 Uhr morgens klingelte. Ich hatte eigentlich ganz gut geschlafen, vom nächtlichen Hupkonzert der Deutschlandfans einmal abgesehen. Wie ich bei meinem arg frühen Frühstück feststellen musste, hatte ich wohl einen historischen Fußballmoment schlicht verschlafen. EGAL! Denn heute sollte ich selbst bei einer Europameisterschaft an den Start gehen. Ein bescheidend historischer Moment meiner Hobbysportlerkarriere. In Frankfurt. Zum ersten Mal über die ganz lange Distanz eines IRONMAN-Triathlons.

Über 5 Jahre hatte ich auf diesen Moment hintrainiert. 1 Olympische Triathlon-Distanz, 3 Jedermann-Radrennen, 4 Halbmarathons, 5 Marathons und 11 Triathlons über die Mitteldistanz standen an diesem Morgen auf meiner Habenseite. Entsprechend entspannt war ich die letzten Tage vor dem Rennen gewesen. Das sollte doch zu schaffen sein! Wenn nicht jetzt, wann dann?

Und an diesem Morgen? Von Anspannung und Stress keine Spur. Stattdessen eine positive Vorfreude, die man mit Weihnachten vergleichen kann. Was werde ich an dem Tag wohl alles geschenkt bekommen? Wie ein Dieb schlich ich im Morgengrauen nach einem guten Frühstück (Porridge, Brot mit Honig) leise aus dem Haus, um meinen Fanclub nicht zu wecken – schließlich musste der spätestens an der Laufstrecke ordentlich für Rückenwind sorgen. Dabei hätte ich allerdings fast meinen Versorgungsbeutel mit den Getränken und dem selbstgemachten Gel vergessen. Vielleicht doch etwas aufgeregt? War wohl eher die Müdigkeit 😉

Ein überfüllter Shuttlebus brachte mich an den Langener Waldsee. So langsam wich die Müdigkeit aus meinen Knochen. Ich ging im Kopf die unmittelbare Wettkampfvorbereitung IMG_7418durch. In der Wechselzone 1 angekommen machte ich dann zuerst einmal mein Rad fertig. Luft in die Reifen, Getränke und Gelflasche in die Halter, Helm und Startnummer an den Lenker. Danach wurde der Wechselbeutel kontrolliert. Als alles für das Rennen bereit war, habe ich dann zum ersten Mal das Umfeld genauer beobachtet. Die Anspannung der Athleten lag zum Greifen in der Luft. Einige sahen doch arg aufgeregt aus, die meisten jedoch ähnlich fokussiert wie ich mich zumindest fühlte. Der Morgen war kühl und so schlüpfte ich recht früh in den 126_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_000118-2125220warmen Neoprenanzug, gab meinen letzten Wechselbeutel am LKW ab und ging Richtung Schwimmstart.

Wie erwartet waren viele Zuschauer an den See gekommen. Und das um diese Uhrzeit! Wahnsinn. Beim Blick über den See kam mir dann die Schwimmstrecke recht lang vor. Aber den Gedanken schob ich mal ganz schnell beiseite und suchte mir die richtige Startbox für den Rolling-Start. 1h10 – 1h20. Das sollte doch auf 3,8km drin sein!?! Die Zeit bis zum Startschuss konnte ich bestens überbrücken, da eine Box weiter Wolf stand. Auch ein Erststarter, der mich irgendwann auf der Rad- oder Laufstrecke überholen müsste. Gemeinsam hörten wir den Kanonendonner und sahen wie sich die Profis in den See rannten.

Jetzt gab es kein zurück mehr. Meine Startschranke ging auf und ich machte mich auf die Reise. Im Gegensatz zu einem Massenstart à la Kraichgau ging das Anschwimmen relativ 138_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_008361-2125232zivilisiert ab. Durch das entzerrte Starterfeld gab es kaum ungewollten Körperkontakt. Keine Heißdüsen, die einen von hinten kommend einfach mal überschwimmen. Jeder schien seinen Rhythmus zu suchen – und so tat ich es auch. Ins Gleiten kommen. Technisch saubere Züge einstellen. Eine möglichst direkte Linie zur Boje am Seeende anschlagen. So ging es zur ersten Wende (auch hier ohne großes Gedränge) und gleich wieder zurück. Die ersten 1.500m bis zum kurzen Landgang waren abgehakt und ich fühlte mich gut. Die zweite Runde zog sich logischerweise etwas mehr hin, aber auch hier lief alles nach Plan. Ich konnte sogar etwas mehr in die Zugphasen investieren und entsprechend langsam werdende Schwimmer überholen. Immer den großen gelben Bogen am Schwimmausstieg vor Augen – der plötzlich auch schon da war. Das Wasser wurde flach. Ich hatte Sand unter den Füssen. Der erste Teil des Abenteuers war geschafft!

3,8km SWIM in 01h 13min 29sec

Was habe ich mich gefreut, als ich aus dem Wasser kam. Vor 5 Jahren noch eine absolut utopische Distanz und heute lief es einfach super. Mit einem breiten Grinsen machte ich mich 158_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_044513-2125252auf den langen Weg zum Wechselbeutel. Unterwegs ein paar Vereinskollegen gegrüßt und Ina abgeschlagen (was machst du hier?), dabei aber auch über den „Berg“ hoch zur Wechselzone geflucht. Das Wechselzelt war ziemlich überfüllt und doch fand ich einen freien Platz für einen zügigen Wechsel. Raus aus dem Neo, Socken und Radschuhe an, Riegel in die Rückentasche und ab zum Bike. Die kühlen Temperaturen habe ich da gar nicht gemerkt. Adrenalin wärmt… Und so war ich zwar nicht super schnell aber kontrolliert zügig im Sattel. Auf geht’s nach Frankfurt.

„Nicht zu schnell beginnen und nicht überziehen. Regelmäßig einen Schluck trinken und
etwas Gel dazu. Jede Stunde einen Riegel essen.“
– Mit diesen Vorsätzen sollte der zweite Teil 162_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_063313-2125256des Tages doch zu meistern sein. Ich bin zuvor noch nie 180km auf dem Rad gefahren! Das war die große Unbekannte für mich. Bis KM120 sollte eigentlich nichts passieren, aber wie geht es dann weiter? Und tatsächlich kam ich sehr gut um die erste Radrunde herum. Vielleicht etwas zu schnell, aber das ist so ganz ohne Erfahrung über diese Distanz schwer zu sagen. Wo liegt die richtige Belastung? Und kaum war die Friedberger Burg in Sicht, da wurden dann auch meine Beine leerer und leerer. Jetzt kam also das erste Loch? Recht ungünstig für den Kopf war dieser Moment verbunden mit einem zunehmenden 179_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_102353-2125273Wind von vorne. Windböen, die für mich nicht immer mit einer Aeroposition vereinbar waren.

„Noch 40km bis zum nächsten Wechsel. Das wird hart. Und dann der Marathon — Marathon? Wie soll das denn gehen?“ Es lief gerade der garantiert falsche Film im Kopfkino an. Zumal der Himmel immer schwärzer wurde und es schließlich wie aus Kübeln schüttete. Kälte, Nässe und Wind. Hallo, geht’s noch? Ich musste ganz schnell das Kinoprogramm ändern. Erst einmal etwas essen, bis zur nächsten Abzweigung, zum nächsten Baum fahren, sich auf den Anstieg in Bad Vilbel freuen („da wird Dir wieder warm!“). Und es funktionierte! Plötzlich war der Anstieg in Bad Vilbel da, nur leider waren alles Zuschauer weg. Wem ist das aber schon zu verübeln bei dem Starkregen. Ich also unter Ausschluss der Öffentlichkeit den letzten Berg hoch – und wer erwartet mich oben? Mein ganz persönlicher Fanclub!!! „Papa, Papa!!! Schneller, auf geht’s!“ Wo kamen die den her. Wahnsinn. Das nennen ich mal Einstellung. Da 143_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_024208-2125237darf ich nicht schlapp machen. Zumal die Anfeuerungsarie ein paar Meter entfernt weiterging. Der Versorgungsstand der Eintracht stand mir bei – nicht zuletzt dank des nagelneuen Eintracht-Einteilers. Heimvorteil nenne ich so etwas. Mit ordentlich Adrenalin und Glückshormonen im Blut ging es dann frierend bergab Richtung Frankfurt zur 2. Wechselzone. 14 Grad sollte meine Garmin später anzeigen.

180km BIKE in 05h 53min 02sec

Erste Station: Dixie-Klo. War das etwa die Kälte? So einen schlechten Boxenstopp legt nicht mal das lahmste Formel 1-Team hin… Aber egal. Die große Unbekannte von 180km ist abgehakt. Jetzt wird nur noch gelaufen – und das möglichst sofort und schnell, denn mir ist richtig kalt! Der arme Kerl nebenan im Wechselzelt zittert so stark, dass er nicht einmal seinen Radschuhe ausziehen kann!!! Ob die Decke des Volunteers 149_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_038039-2125243hilft? Wie die Schwächen der anderen doch zur eigenen Stärke beitragen. Mir geht es gut! Zum Glück bekam er den Gedanken nicht mit und ich hoffe, er konnte das Rennen gut beenden. Ich konnte mich jedenfalls auf das Laufen freuen und nach „nur“ 8min 10 sek ging es ab durch die Zuschauermassen. Was für eine Superstimmung. Dreimal darf ich hierdurch, bevor ich dann auf den Römer abbiege werde.

Und so trugen mich meine eigene Begeisterung und die der Zuschauer ziemlich zügig um die ersten beiden Main-Laufrunden. Nach der ersten Runde konnte ich auch wieder auf meinen persönlichen Fanclub bauen, der mich lautstark anfeuerte. Es gab also klare Fixpunkte auf die ich mich freuen konnte. 01h 46m für den Halbmarathon. Sehr ordentlich. Wann kommt der Einbruch? Kommt er? Da ist er! Ab km22 wurde es plötzlich zäh. Es tat nichts weh, aber der Akku schien sich ziemlich schneller zu entladen. Was jetzt? Ans Buffet und mal in Ruhe ein paar Schlucke Iso trinken. Ein paar Salzstangen, etwas Gel. Bloß nicht zuuu viel auf einmal, denn Bauchschmerzen brauchte ich jetzt garantiert nicht. Und so lief ich von Verpflegung- zu Verpflegungsstelle. Der Versuch, bei meinem Fanclub kurz Rast zu machen, um ein paar Küsse und High5 zu verteilen scheiterte hingegen kläglich. „Nicht stehen bleiben,“ schrie Michi mir ins Ohr und schob mich an. „Schneller, schneller Papa,“ kam vom rennenden Nachwuchs aber auch meiner Frau. Hallo??? Schneller??? Geht’s noch???

Die Kilometer 25 bis 35 bin ich quasi mit dem Kopf gelaufen. Die Beine und der Rest von mir wollten eigentlich nicht mehr so richtig. Flasche leer. Doch dann kam die letzte Runde. Ab sofort erlaubte ich mir kleine Schlucke Cola an den Buffets, wurde wieder etwas schneller und überholte deutlich mehr Läufer als zuvor. Was geht es denen allen schlecht! Quasi als Einäugiger unter den Blinden kam das Vertrauen auf ein ordentliches Finish zurück. Und auch der Abstand zu Wolf, der mich zwischenzeitlich wie erwartet überholt hatte, wuchs nicht mehr so deutlich an. Noch ein verdammtes Armbändchen an der Gerbermühle und es geht in den Zielkanal.

Rechts abbiegen auf den Römer. Was habe ich von diesem Moment geträumt. An den Tagen,171_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_079609-2125265 wo mir das Training schwer fiel, hatte ich genau dieses Bild vor Augen. Dann ging alles sofort etwas leichter. Und jetzt 186_3rd-96185-DIGITAL_HIGHRES-1316_110274-2125280war der Moment gekommen. GENIESSE IHN! Er wird einmalig bleiben, er ist unbezahlbar, Du hast ihn Dir verdient. Es ist ein Gänsehautmoment. Wahnsinn!!! Die Menschen rechts und links klatschen, High5 hier, High5 da. Wo ist mein Fanclub??? Da ruft er!!! Ich bin vorbeigelaufen – schnell zurück. Die Endzeit ist egal, ich will mich einfach nur bei ihnen bedanken für all die Unterstützung der letzten Monate und mich gemeinsam mit ihnen freuen. Danach geht es unglaublich glücklich und zufrieden zur Finishline.

42,2km RUN in 03h 50min 36sec

 IRONMAN Frankfurt in 11h 11min 39sec

Dieser Traum ist gelebt!!! Geil. Mehr gibt es nicht zu sagen.

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P.S.: Die Strapazen meines längsten Sporttages habe ich sehr gut weggesteckt. Kein Muskelkater, nur etwas unelastische und kraftlose Muskeln, sonst alles paletti. Auf Drängen meines Fanclubs habe ich mich daher für Frankfurt 2017 angemeldet. Einmal ist bekanntlich keinmal 😉

Berlin #Marathon: Ein Lauf für die Lernkurve (Rennbericht) … #together42

Um Punkt 9 Uhr steigen unzählige gelbe Luftballons in den Himmel. Begleitet vom Händeklatschen zig-tausender Läufer, von Jubelschreien und lauter Popmusik. Meine Berlin-Premiere startet vor einer beeindrucken Kulisse und mit entsprechender Gänsehaut pünktlich unter blauen Himmel bei perfekten Temperaturen. Langsam setzt sich der Startblock in Bewegung, Blick auf die Siegessäule.

Meinen fünften Marathon bin ich mit gemischten Gefühlen angegangen: Eine riesige Vorfreude auf meine Geburtsstadt, das Brandenburger Tor, auf die bekannten Gesichter an der Strecke. Aber auch mit dem stillen Wunsch auf der schnellste Marathonstrecke der Welt zumindest meine bisherige Bestzeit einzustellen. Gegen diesen letzten Gedanken rebellierte allerdings mein Unterbewusstsein. Denn im Vergleich zum Vorjahr fehlten einfach zahlreiche Trainingseinheiten. Was wird passieren?

Ich bin positiv überrascht. Vom Start weg ist ausreichend Platz, um in Schwung zu kommen. Ich dachte, dass würde alles etwas enger werden. Auf den ersten 5 Kilometer finde ich so also recht entspannt meinen Rhythmus. Laufe natürlich wie immer (und alle?) zu schnell an, aber zusammen mit meiner Garmin drücke ich das Tempo an die 4:30 nach unten.

Was bei mir so im Kopf über die 42km dann ablief, deckte sich doch sehr mit meinem Film, den ich mir in den Wochen zuvor im Kopf zurecht gelegt hatte (42 Gedanken zum Berlin-Marathon). Allerdings sollten ein paar neue Erfahrungen dazu kommen.

Die Freude über den ausreichenden Platz hält nicht lange an. Ab KM7 wird es in den KurvenSCC_BM_Teilnehmerinfo_WEB_DE_1_14 enger. Das führt zu einem stetigen Abbremsen und Beschleunigen – bis ich dazu übergehe grundsätzlich den längeren Weg in Anspruch zu nehmen und das Tempo etwas konstanter halte. Meine Garmin zeigt weiterhin Zeiten von knapp unter 4:30 – fühlt sich gut an. Dann erblicke ich die Ballons der sogenannten Bremsläufer am Horizont. Müssen bei meinem Tempo ja die 3:00-Jungs sein?!? Die behalte ich mal im Blick. Man weiß ja nie was so geht?!?!

Die Anzahl der Zuschauer an der Strecke ist fast schon beängstigend, wobei man in der Masse der Läufer davon nur Bruchteile mitbekommt. Schön, wenn der Sport so viele Menschen mobilisiert. Wenn jeder von denen nur 1 EUR für mein Projekt Running for … BigShoe spenden würde, wäre das Ziel erreicht. Vielleicht sollte ich das nächste Mal mit einer Spendendose den Streckenrand abklappern oder Zettel mit dem Spendenkonto verteilen?

3:15. Da steht doch tatsächlich 3:15 auf den blöden Ballons. Die sind doch viel zu schnell unterwegs. Oder doch nicht? Egal, an die muss ich vorbei – was leichter gedacht als getan ist. Ich kämpfe mich also durch das Grupetto derer, die sich heute früh 3:15 aufs Brot geschmiert hatten mit der festen Absicht sie nie wieder zu sehen. Ab dem Strausberger Platz schalte ich dann auch den Autopilot, also meine Garmin, auf 4:25. Mein nächstes Ziel ist KM25.

Ab dem Friedrich-Wilhelm-Platz beginnt für mich die Suche nach bekannten Gesichtern. Bis zum Wilden Eber will ich meine 4 ganz persönlichen Stimmungsnester nicht verpassen. IMG_6873Insbesondere meine Kinder und Eltern geben mir einen unglaublichen Push. Das ist Adrenalin pur – und damit ein leichtes Over-Pacing 🙂 Mit Freunden und Familie geht es so weiter bis zur Party am Wilden Eber. Brauche ich unbedingt auch im nächsten Jahr bei meiner Ironman-Premier in Frankfurt…

Wenn alles gut ginge, sah mein Plan nach dem Wilden Eber vor, dass ich langsam die Sau raus lasse. 4:25 halten oder mehr. Die Stimmung am Kudamm sollte den inneren Schweinhund verstummen lassen.

Wo kommt denn bitte der 3:15er Ballon schon wieder her? Das geht doch gar nicht? Ok, es ist jetzt eher eine 4:30, die ich laufe. Aber trotzdem!!! Die sind ja verrückt. Und jetzt spüre ich auch noch so langsam meine Wadenmuskulatur. Bloß nicht überziehen und Krämpfe bekommen. Das große Ziel kommt 2016, bleib einfach an den Tempomachern dran.

FotoAb Kilometer 35 gewann mein Schweinhund die Oberhand. 4:55 Cruising Speed statt Vollgas… (ärgert mich mit etwas Abstand ja schon!)

Der Anblick des Brandenburger Tors ist überwältigend. Vor 26 Jahren stand ich davor, oben auf der Mauer, unten die Grenztruppen mit Waffe. Heute laufe ich einfach durch, unter den Anfeuerungsrufen tausender, mir unbekannter Menschen. Emotionen und Gedanken zucken wie Blitze durch mein Gehirn. Wahnsinn. Die Ziellinie.

03h 13m 44s

Mein Traumziel habe ich um knapp 4 Minuten verpasst. Schade eigentlich, da der Tag perfekt war. Mehr quälen oder mehr trainieren? Es ist müßig, denn beides ging nicht. Also müssen die tollen Eindrücke von der Strecke im Gedächnis verankert bleiben. Der Startschuss, die Siegessäule, Fernsehturm und Kudamm. All das in einer tollen Laufatmosphäre.

P.S.: Eine zweite, wichtige Lektion habe ich dann auch noch in Berlin gelernt. Neben „Vertraue nie den Ballons“: Laufe nie allein nach deiner Garmin! Denn die zeigte nach 42km doch glatt die angepeilte 3h 09m an! Leider war das am Gendarmenmarkt … und somit gut 1km zu früh! Aber hätte ich schneller laufen können mit diesem Wissen? Wahrscheinlich nicht.

 

RACE IS OVER: 3 h 13 m #together42 #marathon in #berlin :)

Finished! Ein ausführlicher Rennbericht wird folgen. Nur soviel auf die Schnelle: die Afrikaner haben keinen Weltrekord geschafft – und ich leider keine Bestzeit… Aber im Verhältnis zum Frankfurt Marathon fehlte dann doch 1 Monat Training.

3 h 13 m 44 s

Ist aber eigentlich auch egal. Denn das große Ziel ist und bleibt sportlich der Ironman 2016 in Frankfurt. Wie das funktionieren soll, bleibt mir zwar ein Rätsel. Aber Hauptsache ich kann alle Spenden für BigShoe bis dahin einsammeln. Wer mich hierbei unterstützen möchte findet hier das Spendenkonto.

Ich wünsche allen einen schönen Rest-Sonntag!

RACEDAY !!! #together42 in #Berlin. Es ist #Marathon Zeit :)

Rekordwetter + Traumstimmung + Brandenburger Tor =

Es ist heute alles angerichtet für meine Berlin-Premiere 🙂 

Diese 42km durch Berlin versuche ich zu genießen. Um 9:00 geht die Reise los – auf der bekanntlich schnellsten Marathonstrecke der Welt. Stellt sich die Frage, ob es auch für mich für einen Rekord reichen soll? Bei Kilometer 25 werde ich es wohl wissen. Eigentlich war das Training nicht sooooo schlecht. Es fehlen ein paar schnelle Kilometer – dafür waren es etwas viele Geschäftsreisen… Die Ausdauer scheint aber zu stimmen (s. auch Köln-Triathlon). Ich hoffe nur, dass es nicht so voll auf der Strecke ist …

Letztlich ist der Berlin-Marathon aber auch nur wieder ein weiterer Schritt in Richtung des GROSSEN ZIELS: Im Juli 2016 werde ich in Frankfurt meinen 1. IRONMAN bestreiten. Für die Kinder von BigShoe. Jeder der 226km soll 25 EUR einbringen. Davon können medizinische bigshoe move km 175 x 125 mm_BigShoeOperationen für Kinder ermöglicht werden, die weder einen Arzt kennen, geschweigen denn ein Krankenhaus von innen gesehen haben. Ich freue mich über jede Spenden. Das Konto und weitere Angaben zu meinem Spenden-Lauf findet Ihr hier.

Ich wünsche Euch allen einen tollen, sonnigen Sonntag. Genießt das schöne Wetter! Und drück mir die Daumen – für den Marathon und für meine Spendenaktion „Running for … BigShoe“.

 

 

 

Kopfkino – Der #Berlin #Marathon in 42 Gedanken #together42

Oder: was alles bei einem Marathon so nach dem Startschuss im Kopf abläuft …

Peng.

  1. Mal sehen ob sich das Training gelohnt hat. Los jetzt hier. Vorwärts!
  2. Mann, ist das voll. Hoffentlich tritt mir keiner von den Übermotivierten in die Beine …
  3. So langsam kommt ja der Rhythmus – immer locker bleiben!
  4. Mist, bin ja viel zu schnell unterwegs!!! Tempo rausnehmen…
  5. Tempo RAUSNEHMEN!!!
  6. Lauft mal alle ruhig vorbei – wir sehen uns bei km30!
  7. Hoffentlich …
  8. Zeit für das erste Gel. Man ist das wieder süß.
  9. Wasser zum Nachspülen, schnell!
  10. Ist mir mit dem Trinkrucksack noch nie passiert – wieso trinke ich bitte schön durch die Nase???
  11. Nicht ärgern. Runterschlucken. Bleib im Rhythmus. Es muss sich leicht anfühlen.
  12. Diese Trommler gehen mir auf die Nerven! Wie soll man dabei bitte den Atem-Rhythmus finden??? Sind bestimmt selbst keine Läufer…
  13. Das nächste Gel kann mal warten. Fühlt sich ja alles ganz gut an.
  14. Wie stark schnauft eigentlich der ASICS-Typ da? Der steigt sicher bald aus. Kein Wunder mit den Waden. Aber schönes T-Shirt.
  15. Den Döner-Geruch brauche ich jetzt ja mal gar nicht in der Nase. Weg hier!
  16. Sollte ich vielleicht jetzt doch etwas schneller werden?
  17. Hier steht doch irgendwo Roland! – Und viele andere auch noch … Was hat er doch gleich noch an?
  18. Gel oder nicht Gel? Gel! Bäh.
  19. Hey, Roland!!! Ja, fühlt sich super an!
  20. Einmal Iso bitte – durch den Mund, nicht die Nase. Geht doch.
  21. Halbzeit nach Plan 🙂 Hätte ich vielleicht doch mal schneller beginnen sollen?!
  22. Mal rechnen: wenn ich das Tempo halte, wird es ja ein neuer Rekord!
  23. Nerv! Da ist ja noch immer der ASICS-Typ. Bald ist es mit dem Geschnaufe hoffentlich vorbei… Die Fleischerwaden müssen doch mal zu machen…
  24. Schaffe ich die nächsten Kilometer 5 Sekunden schneller als geplant? Das macht bei den restlichen 18km mal 5 Sekunden …. 50 Sekunden plus 5 mal 8, 40 plus 50. 90 Sekunden vor Plan?
  25. Katja!!!! Dein Marc kommt etwas später. Sah heute früh noch gut aus!
  26. Gel!!!! Jetzt aber schnell reindrücken. Hatte ich ganz vergessen. Scheiße. Hauptsache der Zucker fehlt hinten raus nicht. Igitt!
  27. Schon cool. Fühlt sich immer noch gut an.
  28. Jetzt kommt mein Abschnitt Leute. Mann oder Memme???
  29. Wird der Oberschenkel etwa härter? Halte die Schrittfrequenz! Nicht nachlassen.
  30. Ok, der Spaziergang ist vorbei. Wieso ist der ASICS-Schnaufer eigentlich immer noch da hinter mir??? Der ist doch gedopt. Oder Beamter mit unendlicher Trainingszeit. Oder beides.
  31. Wann lichten sich die Reihen hier endlich? In Frankfurt waren da weniger unterwegs. Und  jetzt bleibt doch nicht alle vor der Wasserstelle stehen. Müsst ja nicht so schnell anfangen.
  32. Ha, bei dem hat der Hammermann zugeschlagen. Wusste ich doch. Die hole ich mir alle!!!
  33. Wo sind denn meine Kids hier??? Mist, verpasse ich die schon wieder?
  34. Nur noch 8km. Bei 4:30 sind das 32 Minuten und 8 halbe Minuten, also 4. Also insgesamt noch 34 Minuten durchhalten. Nee. Falsch 32 und 4. 36!
  35. 36 Minuten? Schaffe ich da meine Zielzeit? Ich kann nicht mehr rechnen. Ist doch auch egal. Lauf einfach weiter. Lass nicht nach.
  36. Nicht schon wieder Helene Fischer.
  37. Jetzt wird es langsam echt hart. Bis zum Potsdamer Platz pushe ich aber noch. Beißen. Shut up legs – quälen!
  38. Geile Stimmung! Was ein Party-Volk, diese Berliner. Wowi lässt grüßen.
  39. Wieso mache ich das hier eigentlich? Halte den Speed, jetzt lässt Du nicht mehr nach. Mit dem Ironman nächstes Jahr muss ich mir aber echt noch einmal überlegen.
  40. Ja-a. Es riecht nach Zielgerade. Den da vorne hole ich mir aber noch!
  41. Die Zeit reicht! Bloß nicht nachlassen. Tut das weh. Saug Dich an den da vorne ran. Komm, los! GEIL. Das Brandenburger Tor!!! JA.
  42. Ich bekomme Gänsehaut. Ist das super hier. Nächste Jahr unbedingt wieder!!!

Und bis dahin habe ich auch die Spenden für RUNNING FOR … BIGSHOE auf dem Spendenkonto!!! Freue mich über jede kleine Hilfe 🙂 Ich laufe zwar auch für mich, aber nicht nur. Ich laufe dieses Jahr für BigShoe!

Cologne226half #Triathlon: Jecken vom Winde verweht (Rennbericht) #swimbikerun

Mein letzter Triathlon über die sogenannte Halbdistanz sollte dieses Jahr in Köln stattfinden – als doppelte Vorbereitung: 1. für den Berlin-Marathon Ende September und 2. für meinen ersten IRONMAN 2016. Die Idee war somit eine lange Trainingseinheit verbunden mit einem Material- und Pacing-Test.

Los ging es morgens um 7:00 Uhr in … Frankfurt. ?!?!? In aller Ruhe konnte ich nach Köln fahren, denn der Startschuss zur Halbdistanz Cologne226half fiel erst um 12:30 Uhr. Ungewöhnlich spät für einen Triathlon – also alles ganz easy? Nicht ganz. Das Wetter sorgte bei mir doch für etwas Unbehagen. Kühle 14 Grad und frischer Wind pfiffen mir beim Aussteigen am Fühlinger See entgegen. 11954575_1657072151173926_3659381253588314617_nBisher kannte ich nur Sommergewitter und Hitzeschlachten.

Aber egal. Da ich das ganze als Trainingseinheit nahm, bin ich doch relativ relaxt an die Startlinie geschwommen. Das Schwimmen fand auf der Ruder-Regatta-Strecke statt – also immer geradeaus und einfach wieder zurück. 1.900 Meter insgesamt. Hörte sich entspannt an, war es aber gar nicht. Das „Gekloppe“ um eine gerade Linie war doch überraschend intensiv. Ich versuchte geeignete Wasserschatten zu finden, um meine Zeit halbwegs im Rahmen zuhalten. Die letzten 2 Monate bin ich nämlich nicht einen Meter geschwommen! 20x30-COSG0977Daher war ich dann auch sehr erleichtert, als ich aus dem Wasser gezogen wurde.

1,9k SWIM in 00 h 38 m 26 s

In der WZ1 nahm ich mir dann die Zeit, um ein Langarmtrikot samt Weste überzuziehen (nicht leicht, wenn man nass ist…). Bei dem Wetter wollte ich mich auf dem Rad aber nicht unterkühlen. Schließlich will ich Ende September in Berlin fit beim Marathon antreten.

Auf den 90km durch Köln, konnte ich mich dann zum ersten Mal mit meinem TT-Bike anfreunden, das mich im Juli 2016 über die doppelt solange Strecke in Frankfurt tragen soll. 20x30-CSOI7541Tja, etwas einfahren wäre wahrscheinlich nicht schlecht gewesen. Denn ich hatte einige Probleme, die optimale Position zu halten. Da werde ich diesen Winter etwas üben müssen. Hals und Rücken waren vielleicht etwas überstreckt. Zum Glück gab es aber immer auf dem Weg zurück in die Innenstadt ordentlich Rückwind. Da konnte ich mich dann mit gutem Gewissen auch mal ab und zu wie ein Segel aufrichten…

Die Rad-Strecke selbst war in Köln eher unspektakulär. Kaum bis keine Stimmung auf den 90k, flach mit diversen Schlaglöchern. Schön war eigentlich nur der Wendepunkt in Deutz. 20x30-CSOB2345Da kamen die Jecken dann doch etwas aus der Reserve. Allerdings fällt es dem erfahrenen Triathleten schon schwer zu glauben, dass der Kölner so richtig die Sau rauslassen kann. Zum Glück gibt es keinen Karneval im Kraichgau – da wäre dann ja die Hölle los 🙂

90k BIKE in 02 h 44 m 25 s

Auf den letzten Kilometer auf dem Rad habe ich  noch etwas rausgenommen und auch in der WZ2 bin ich ohne Hektik rein und wieder raus. Die 21 Kilometer Laufen wollte ich unbedingt diszipliniert durchziehen. D.h. mit der Geschwindigkeit, die für meinem langen Lauf zwecks Marathon-Vorbereitung vorgesehen war. 20x30-CSOD47495 Minuten 20 Sekunden pro Kilometer. Gar nicht so einfach, wenn man eine Startnummer vor dem Bauch hat … Zwei Runden à 11 Kilometer ging es den Rhein hoch und runter, bzw. auch rüber. Eigentlich eine sehr schöne Laufstrecke mit herrlichen Blick auf den Kölner Dom. Dazu super Helfer an den vielen Verpflegungspunkten. Schade war nur, dass sich die sonstigen Stimmungsnester auf Deutz beschränkten, den Zieleinlauf. Vielleicht lag es am Wetter. Denn das wurde nicht wirklich besser. Bis KM 5 war mir sogar kalt!

Von daher war ich froh, dass ich in Köln nur über die Halbdistanz gestartet bin und nicht meine Langdistanz-Premiere gefeiert hatte. Ich denke mal, nächstes Jahr wird da in Frankfurt mit mehr Unterstützung zu rechnen sein. Auch wenn ich das Rennen für mich 20x30-CSOE1569 mache, so hilft es doch ungemein von außen gepusht zu werden. Pünktlich zu meinem Zieleinlauf kam dann übrigens doch noch die Sonne raus und so wurde es insgesamt ein versöhnlicher Wettkampftag. Zumal die Zeit für ein eher gemächliches Rennen in Ordnung ist.

21,1k RUN in 01 h 52 m 53 s

Cologne226half in 05 h 24 m 54 s

Ob es jetzt richtig war, 3 Wochen vor dem Berlin-Marathon, eine Halbdistanz zu absolvieren, wird sich Ende September zeigen. Vom Gefühl her sollte es eigentlich passen. Ich denke nicht, dass ich in Köln zu viele Körner vorzeitig verschossen habe. Die Beine waren am nächsten Tag „OK“. Wir werden also sehen! Eine wichtige Erkenntnis war allerdings, dass ich in Köln bei gegebene Tempo durchaus noch 10-15 Kilometer hätte laufen können. Und dann fehlt ja nicht mehr viel zum Marathon! Das lässt doch für 2016 und meine Langdistanz-Premiere hoffen!!! Wenn ich jetzt auch noch in den nächsten Monaten die Spenden für meine Charity RUNNING FOR … BIGSHOE zusammen bekomme, wäre ich sehr zufriednen…

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Ich freue mich über jede Form der Unterstützung! Insbesondere natürlich über Spenden auf unserem Spendenkonto.